Die villaWuller in Trier hat eine eigene Sprache für das, was ihren Club ausmacht: „Wullern“ meint das Vibrieren des Basses in den Wänden. „Unser Club ist so klein, dass es sich tatsächlich so anfühlt, als würde der Boden vibrieren und der Sound durch die Wände gehen“, erklären die Betreiber:innen. Im Jahr 2025 wurde die villaWuller mit dem Hauptpreis beim APPLAUS-Award in der Kategorie „Beste kleine Spielstätten und Konzertreihen“ ausgezeichnet.
Gemeinsam mit dem KAPUT – Magazin für Insolvenz & Pop haben wir die Hauptpreisträger:innen des Jahres 2025 besucht mit dem Ziel, die Orte, Menschen und Strukturen sichtbar zu machen, die die Livemusikkultur in Deutschland prägen. Den Text von Lennart Brauwers gibt es in voller Länge auf www.kaput-mag.com.
Den von außen besprühten Altbau muss man erstmal finden, und womöglich könnte die erste Reaktion dann heißen: Wie jetzt – das ist der Club? Vorstandsmitglied Caro, die sich auch für die Plakate verantwortlich zeichnet, erzählt mir: „Viele Leute sehen die Tür nicht mal. Dann heißt es oft: ‚Wo ist denn diese villaWuller?‘“
Um den Fortbestand der villaWuller langfristig zu sichern und die Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen, wurde 2017 der Kulturverein villaWuller e. V. gegründet. Es darf kein Gewinn gemacht werden, die Clubbetreiber:innen investieren jegliches Geld sofort in neue Partys oder Bookings. „Ich glaube, durch die Struktur des Vereins und die Größe des Ladens sind wir in einer guten Position, in der wir selber entscheiden können und gleichzeitig nicht überheblich werden.“
Der Arbeitsalltag ist über verschiedene Plenen organisiert: Programm, Marketing, Verwaltung … „Der Laden ist erstaunlich gut organisiert“, erzählt Alex, der sich um das Booking und die Social-Media-Kommunikation kümmert. „Besser als mein eigentlicher Brotjob.“ Das ehrenamtliche Arbeiten in der villaWuller mache vor allem deshalb Spaß, weil alles so gut abläuft und man immer einen Konsens findet. „50 % Chaot:innen und 50 % Nicht-Chaot:innen, das ist eine gute Kombination.“
Die musikalische Vielfalt des Programms ist beeindruckend: Techno, House, Drum’n’Bass, (Italo-)Disco, HipHop oder Listening-Abende, an denen ganze Alben durchgehört werden. Bei neuen DJs wird darauf geachtet, dass die villaWuller dadurch etwas Neues, Frisches bekommt – etwas, das man dort zuvor noch nicht gehört hat. „Wir wollen ein gewisses Spektrum haben und niemals redundant werden. Das ist das Hauptauswahlkriterium für unsere Bookings.“
Dass die villaWuller mehr als ein Party-Schuppen ist, sondern eher ein kleines Kulturzentrum, spürt man. Die Stadt Trier wird von Alex grundsätzlich als Befürworter beschrieben, auch „linksversiffter Nischenkultur“ sei die Stadt wohlwollend gegenüber eingestellt.
Eine Mischung aus Professionalität und Eigenwilligkeit wird es auch gewesen sein, die der villaWuller 2025 den mit 10.000 Euro dotierten APPLAUS-Award als „Beste kleine Spielstätten und Konzertreihen“ beschert hat. Die Freude war natürlich groß: „Das ist schön für den Club und für das Team“, erzählt Caro. Auch hinsichtlich der Sichtbarkeit habe sich etwas getan, so stehe man nun im Austausch mit anderen kleinen Clubs, die zuvor noch gar nicht von der villaWuller gehört hatten. „Die Auszeichnung hat uns aus unserem kleinen Kontext rausgeholt und gezeigt, dass wir etwas Ernstzunehmendes machen“, sagt Alex. „Dadurch ist das Ganze eine Art kulturelles Prestige-Projekt geworden.“
Sicher ist jedenfalls: Nirgends schwitzt es sich so schön wie in der vollgerauchten villaWuller. Während einer Clubnacht dauert es nicht lang, bis man jede:n Besucher:in zumindest mal angegrinst hat. Caro: „Gemeinsam durch Nächte zu rauschen, es gibt nichts Schöneres.“
Text: Lennart Brauwers / Foto: Marvin Remlinger






