Auf einem Trampelpfad betreten wir das Clubgelände. „Es ist ein Wunder, dass sich hier noch niemand den Fuß verstaucht hat“, sagt Amina Adamu und zeigt auf die großen Wurzeln, die aus dem Boden ragen. Amina, bekannt als DJ unter dem Namen goldie, ist eine der Residents im OKA und hat schon viele Parties mitorganisiert.
Gemeinsam mit dem KAPUT – Magazin für Insolvenz & Pop haben wir die Hauptpreisträger:innen aus 2025 besucht mit dem Ziel, die Orte, Menschen und Strukturen sichtbar zu machen, die die Livemusikkultur in Deutschland prägen. Den Text von Vicky Hytrek gibt es in voller Länge auf www.kaput-mag.com.
Am Gemäuer nagt der Zahn der Zeit, aber das macht nichts. Bunte Fenster kaschieren auf verspielte Art, dass die Halle nie kernsaniert wurde. An den Türen und Wänden schmieren alte und neue Graffiti.
Seit 2017 gibt es den kollektiv geführten Technoclub in Dresden. Das objekt klein a gilt als erste Adresse für alternative, linke Clubkultur in Dresden und steht musikalisch auf Augenhöhe mit Clubs in London, Brüssel oder Berlin. Letztes Jahr wurde er mit dem APPLAUS-Award 2025 ausgezeichnet und gewann den Hauptpreis in der Kategorie „Beste Livemusikspielstätten“.
Der Preis wird seit 2013 von der Initiative Musik vergeben. Der bundesweite Kulturpreis ehrt besondere Verdienste von kleineren und mittleren Musikclubs. Mit den Preisgeldern von bis zu 40.000 Euro sollen Investitionen in die Zukunft getätigt werden. „Die Auszeichnung hat uns sehr stolz gemacht“, sagt Josie Went. Sie kümmert sich um die Geschäftsführung und ums Booking im OKA. „Wir haben so viel Anerkennung bekommen – nicht nur in Dresden, sondern auch in Sachsen und darüber hinaus. Es ist schön, dass unsere Arbeit gesehen wird.“
„Das OKA ist ein Anker für ganz viele Leute in Dresden. Wenn du so einen Ort suchst, dann kommst du zu uns.“ (Amina Adamu)
Bevor die Party losgeht, laufe ich mit Amina über das leere Gelände. Sie kam vor acht Jahren ins Team und hat an der Bar angefangen. Mit der Zeit kamen immer mehr Aufgaben dazu. Damals ging es ihr einzig allein darum, „Teil von diesem Club“ seinzu wollen.
Was hat sich noch seit der Eröffnung 2017 verändert? „Der Club hat eine krasse Professionalisierung durchgemacht“, sagt Josie. „Wir haben wahnsinnig viel mehr Veranstaltungen. Früher waren wir drei Personen in Anstellung, heute sind wir 65.“
Am Anfang gab es nur zwei Partys im Monat, auf beiden Floors lief Techno und House. Heute bedienen 15 monatliche Partys jegliche Genres von Gabba bis Trance. Das sei aber eher eine Zwangsmaßnahme, gesteht Amina. Man müsse die junge Generation erreichen und den Laden vollkriegen.
Die Pandemie hat auch im OKA ihre Spuren hinterlassen: Eine gewisse Existenzangst gehört mittlerweile zum Alltag. Daher ist der Club heute mehr denn je darauf angewiesen, mit lokalen Kollektiven zusammenzuarbeiten. Das sei teilweise schwierig, erklärt Amina: „Wir sind im Kern verschiedene Communities. Nicht nur musikalisch, sondern auch von der Art und Weise, wie man ausgeht und was man von so einer Nacht erwartet. Aber irgendwann mussten wir einsehen, dass wir uns anpassen müssen. Sonst verlieren wir da eine Generation, die halt mit einer ganz anderen Musik groß wird als wir.“
Am Vorabend unseres Gesprächs hat sich das beliebte Trance-Kollektiv Sachsentrance für sein Sommerfest eingemietet und den Laden vollgemacht. Trotz Regen. Solche Abende spülen zwar Geld in die Kassen, aber sie spiegeln nicht das Wesen des objekt klein a wider. Das Programm vom heutigen Abend trägt dagegen schon eher die Handschrift des Clubs: Die Partyreihe „creatures of the night“ wird von den Zombies in Miami gehostet. Gemeinsam mit der Resident-DJ PAU PAU, DIANA und Nizar Sarakbi (Naket Groove Records) gestalten die Mexikaner:innen based in Berlin einen musikalisch diversen Abend und bedienen sich dabei der vielen Spielarten des House und Techno. Auf dem Dancefloor entsteht eine intime Atmosphäre, wie bei einer großen WG-Party. Der Abend bietet Raum für zufällige Begegnungen und neue Bekanntschaften, also jene Momente, die eine Clubnacht so magisch machen.
Text: Vicky Hytrek / Foto: Vicky Hytrek






